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Allgemeines
In Deutschland leben Millionen von Papageien, Sittiche und andere Ziervögel. Die Beweggründe solche zu halten sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Die einen wollen sich mit Kanarienvögel einen Gesangskünstler ins Wohnzimmer holen, die anderen wollen sich mit besonders teuren Exemplaren zieren usw.
Wellensittich-Halter denken aber oftmals ganz anders. Sie möchten einen aufgeweckten Kerl, die sein fröhliches Wesen sehr schätzen. Bei ihnen lassen sich ihre natürlichen Verhaltensweisen besonders gut beobachten, denn sie lassen sich durch den Menschen kaum stören, wenn es um die Balz usw. geht
Es ist auch möglich, dass Wellensittiche Töne, Worte oder gar ganze Sätze lernen und diese von sich geben. Aber die Wellensittichsprache mit Gesten und Gesängen ist komplizierter, als wie man es im ersten Moment vermuten mag. Einige werden ihnen hier vorgestellt:
Die Lautäußerungen
Wer kennt nicht das laute Trillern des Männchen. Es wird meistens mit einem "brrr" eingeleitet und später folgt dann seine stimmgewaltige Aneinanderreihung von Schmetterlauten. Der Gesang ist abhängig vom Alter und seiner Erfahrung und können somit sehr abwechslungsreich sein, von Trommellauten bis hin zu sanften Melodien. Es ist auch Möglich, dass sie dabei Töne einbauen, die sie sich vom Menschen abgehört haben, z.B. das Telefonringen oder die Türklingel.
Mit gespreiztem Kopf- und Kehlgefieder kann solch ein Konzert schon mal bis zu fünf Minuten oder länger andauern. Bei Gemeinschaftshaltung werden auch andere Männchen animiert, ihr Können unter Beweis zu stellen. So wird ein Solo schnell zu einem riesigen Konzert. In der Brutzeit sind die Männchen besonders aktiv, um ihre Liebste zu betören, damit sie sich zur Paarung einstimmt und mit dem Nestbau beginnt.
Ansonsten pflegen die Männchen leises Trillern als Zuneigungsgesang. Es werden leise, kaum hörbare, sehr melodiöse Tonfolgen abgegeben, die den Auftakt zur Gefiederpflege bilden. Auch hier gehen die Verhaltensforscher davon aus, dass dies der Entwicklung der weiblichen Geschlechtsorgane dient und der Bereitschaft zur Paarung vergrößert.
Bekannt sich auch die "tuk tuk" Laute, welche mit gleichzeitigen Schnabelstupsen ebenfalls das Weibchen anregen sollen. Die Wellensittich-Forscherin Barbara Brockway soll durch Nachahmen dieser Laute, ihr Wellensittichweibchen zur Paarunsgbereitschaft angeregt haben.
Schnabelrituale
Besonders beim gefiederten Hausfreund, dem Wellensittich, ist das zärtliche Berühren der Schnäbel ausgeprägt. Bei eingespielten Paaren gehört dies schon zur perfekten Routine, so weiß der andere, ob sein Liebling Lust auf Gefiederpflege hat oder lieber gefüttert werden möchte. Hinzu kommen noch ausgeprägte Verhaltensweisen.
Dabei reicht die Palette an Bewegungen von komplizierten Schaukelbewegungen, rhythmischen Kopfbewegungen und vielen Lautäußerungen.
Vielleicht haben auch sie sich schon einmal über die Bewegungen ihres Tieres gewundert?
Aufgrund der vielen verschiedenen Verhaltensweisen und Individuen, denn auch Wellensittiche haben ihren eigenen Charackter, sind nur wenige in ihrer Bedeutung verständlich.
Dazu zählt unter anderen das Würgen mit gleichzeitigen Öffnen des Schnabels, was einer Erstickung ähnelt. Jedoch handelt es sich hierbei nicht um einen medizinischen Notfall, sondern um ein normales Ritual. Wellensittiche füttern sich, wenn diese sich zusammen gefunden haben. Besonders während der Balz lässt sich das Hevorwürgen gut beobachten. Dazu werden verdaute Körner wieder hochgewürgt und dem Weibchen zugeführt. Aber nicht nur zur Balz, sondern bei der Aufzucht von Jungtieren lässt sich dieses Verhalten beobachten.
Genauso wie das Füttern, gehört auch das gegenseitige Kraulen, besondern an schwierig zu erreichenden Körperteilen (z.B. Kopfgefieder), zum Partneralltag.
Schlusswort
Wellensittiche zählen nun mal zu den geselligsten Tieren dieser Welt und werden zu Millionen in Käfigen und Volieren gehalten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Papageienart im Laufe der Jahrhunderte weiterentwickelte und ihre Umgangsformen vielfältiger wurden. Sie lernten ständig neue Töne und Laute und "äffen" schon gerne mal ihren Halter nach oder dessen Telefon. Aber nicht nur seine Begabung ist faszinierend, sondern sein Sozialleben in der Gruppe. Die Gemeinschaft, die alles gemeinsam (Essen, Spielen, Schlafen usw.) unternimmt, kann man mit einer Groß-Familie der Menschen vergleichen. Auseinandersetzungen sind da die Ausnahme. Deshalb kann ich nur jedem Vogelhalter empfehlen, mindestens zwei Exemplare zu halten. Wobei ich finde, dass erst ab vier Wellensittichen die typischen Verhaltensweisen auftreten.
Quelle
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WP-Magazin 03/ 1997









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