Wellensittiche aus zweiter Hand
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Bitte reagieren Sie nicht erschrocken über die gewählte Überschrift. Es gibt immer wieder Fälle, bei denen ein Vogel abgegeben werden muss. Sei es aufgrund eines Todesfalles oder der Halter mit der Pflege überfordert ist.
Es kann also sein, dass diese "Notverkäufe" häufig günstig zu erwerben sind, dann neigen Halter oftmals dazu, ein solchen Papagei zu kaufen.
Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen erörtern, worauf Sie beim Kauf achten sollten.
Der erste und wichtigste Punkt ist die Gesundheit vom Tier. Dieses entscheidende Kriterium ist ein Zeichen für Langes und Zufriedenes Vogelleben. Einen gesunden Papagei erkennt man unter anderem an seinem schönen, vollständigen und glänzendem Gefieder. Kränkliche Tiere hingegen haben oftmals ein struppiges, stumpfes oder gar teilweise ausgefallenes Gefieder. Allerdings kann ein solches Gefieder auch ein Zeichnen für fehlende Bademöglichkeiten sein, was schnell korrigiert werden kann.
Schlimm aber ist die Situation der Rupfer, sie ziehen sich selber einzelne Federn mit den Kielen heraus. Das sind Zeichen für Verhaltensstörungen und meistens chronisch. In vielen Fällen werden die Ursachen gar nicht herausgefunden und eine Behandlung verläuft somit nicht erfolgreich.
Übernehmen Sie trotzdem einen solchen Vogel, so müssen Sie sich aber bereits vor dem Kauf mit der Verantwortung vertraut machen. Oftmals werden Tiere von Hand zu Hand gereicht, da die Halter überfordert waren. Das kann dem Tier natürlich mehr schaden als nützen. Wer möchte schon ständig sein zuhause zwangsweise wechseln. Außerdem bedeuten die vielen Transporte Stress für die Tiere, was sich wiederum schlecht auf die weitere Gesundheit auswirkt. Außerdem müssen Sie sich im Klaren sein, dass Ihr "Neuerwerb" unter Umständen lebenslang gestört bleibt.
Niedrige Luftfeuchtigkeit in der Wohnung und/ oder fehlerhafte Ernährung und dem daraus resultierenden Vitamin A Mangel fördern Pilzbefall. Der Befall von Aspergillose kann ohne weiteres nicht erkannt werden, nur durch bakterielle Untersuchungen, eine Endoskopie oder auch durch Röntgen.
Sind sie also in der Wohnung des Verkäufers, so können Sie sich dessen Lebensqualität vor Ort betrachten:
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wie ist die Luft im Raum? Trocken und schlecht oder Angenehm?
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stehen Pflanzen oder sonstige Luftbefeuchter im Zimmer?
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wie sieht der Käfig oder die Voliere aus? Nicht gereinigt oder gepflegt?
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was für Futter wird gereicht? Nur Sämereien oder ausgewogenes Futter mit Obst, Gemüse, Kräutern und Gritt?
Sind nur schlechte Anzeichen gegeben, so besteht die Möglichkeit eines Pilzbefalls. Dieser muss nicht akut sein, sondern kann auch erst durch den darauffolgenden Transport ausgelöst werden. Wie bereits erwähnt, stellt ein Ortswechsel und der Verlust der Bezugsperson Stress für den Papagei dar und dieses kann ein Auslöser für Krankheiten sein. Beachten Sie auch, dass Aspergillose oftmals zum Tode führt.
Zwar können kranke Papageien die Krankheit recht lange kontrollieren, solange die keinem Stress ausgesetzt sind, aber in einem solchen Fall vermehren sich die Pilze explosionsartig und vergiften den kleinen Organismus mit ihren Mykotoxinen.
Hier sei erwähnt, dass es sich nur um Beispiele handelt, es gibt natürlich auch noch andere Krankheiten, die bei Stress ausbrechen könnten, wie z.B. noch der Wurmbefall. Vorm Ortswechsel konnte das Immunsystem die Würmer noch kontrollieren, anschließend war es aber so geschwächt, dass die Parasiten überhand gewinnen konnten und die Krankheit ausbrach. Gerade bei Papageien, die in Freivolieren leben, sollten an die Würmer gedacht werden!
Es empfiehlt sich daher, nach dem Kauf eines Vogels, gleich den Tierarzt aufzusuchen und eine Vorsorgeuntersuchung anzustreben. Auch sollte dieser erst einmal getrennt von ihren anderen Vögeln/ Tieren gehalten werden, bis sichergestellt werden kann, dass diese die anderen Tiere nicht mehr anstecken können.
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Fall aus der Praxis: Zu meiner damaligen Zucht kaufte ich einen weiteren Wellensittich, welchen ich gleich zur vorhanden Gruppe integrierte. Alles war schön und gut, aber nach und nach erkrankten alle meine Wellensittiche und starben. Später stellte sich heraus, dass diese an Psittakose erkrankt waren, eine Behandlung verlief negativ. Dem Züchter konnte ich leider nichts nachweisen und somit weigerte er sich auch, für den entstandenen Schaden aufzukommen. Aus Frust entsorgte ich auch die große und teure Voliere. Heute ärgere ich mich drüber, denn eine Desinfektion hätte es auch getan. Aber aufgrund des Schmerzes überlegte ich nicht genug! |
Es werden auch von Fällen erzählt, wo gesunde Papageien von der Stange fielen. Das kann passieren, wenn diese z.B. Jahre lang in kleinen Käfigen lebten. Wurden sie dann in Volieren umgesetzt, so schafften sie es nicht, sich auf die neue Situation umzustellen und starben aufgrund von Stress-Symptomen.
Problematisch kann der Erwerb von Kakadus sein. Sie zeigen nach langer Einsamkeit aggressive Anfälligkeit, schreien ununterbrochen und beißen unerwartet zu. Hier hilft nur eine Vergesellschaftung, andere erzieherische Maßnahmen werden nicht helfen. Es gab aber auch Fälle, wo zu einem männlichen Kakadu ein Weibchen dazugesellt wurde. Da aber das Männchen zu lange alleine war, tötete er das Weibchen. Diese Tiere gehören nur in erfahrene Hände.
Viele Halter trennen sich erst dann von einem Papagei, wenn es bereits zu spät ist. Es wird immer schwieriger den Vogel zu erziehen, wenn er älter wird. Mit zunehmenden Alter werden Angewohnheiten einfach nicht mehr abgewöhnt, ähnlich wie beim Menschen. Hinzu kommt noch, dass diese schwer zu zähmen sind und womöglich ein Leben lang ängstlich bleiben, wenn man sich ihnen nähert.
Amazonen schreien nicht nur wie verrückt, sondern attackieren auch jeden, außer seiner Bezugsperson. Ein Erwerb kann also nur dann in Frage kommen, wenn die Amazone seinen neuen Pfleger akzeptiert.
Ich möchte Sie nicht erschrecken oder gar vom Kauf eines Vogel aus zweiter Hand abraten, sondern nur sensibilisieren, wenn Sie an einen solchen erwerben möchten und was womöglich auf Sie zukommt. Denn es gibt auch Beispiele, wo viele Papageien und Vögel ein liebes zuhause gefunden haben und dort gesund und munter leben können. Haben Sie nun Bedenken, so rate ich Ihnen vom kauf ab. Da ist es ratsamer, einen Züchter aufzusuchen und einen Jungvogel oder zwei zu erwerben. Denn es nützt beiden nichts, wenn der Papagei nach kurzer Zeit wieder abgegeben werden muss.
Quelle
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WP-Magazin Nummer 3 aus 2002
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Foto von Andrea Steiner
Aktualisiert (Donnerstag, den 11. Juni 2009 um 11:50 Uhr)









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