Hilfe, mein Wellensittich ist zu fett
| Gesundheit - Mögliche Gefahrenquellen |
Einleitung
Die häufigste Ursache für Fettleibigkeit bei Papageien, Sittichen, Wellensittich und Vögeln ist Bewegungsmangel oder fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten.
In der freien Wildbahn sind die Tiere den ganzen Tag mit Nahrungssuche, Balz, Flugstunden und Gefiederpflege beschäftigt und verbrennen dabei viele Kalorien, wie im Gegensatz zu den meisten Heimvögeln.
Diese leben im schlimmsten Fall in zu engen Käfigen ohne Freiflug und haben prall gefüllte Fressnäpfe. Demnach brauchen sie sich kaum bewegen und setzen immer mehr Fettpolster - auch Depotfett genannt - an, die ja auch in freier Wildbahn überlebenswichtig wären, aber nicht für unsere Heimvögel.
In der Regel setzen nur Papageien Depotfett an, die weite Strecken überbrücken müssen, um an Nahrungsquellen zu gelangen. Für sie muss ausreichend Energie geliefert werden können, wie zum Beispiel bei den Nymphensittichen, Wellensittichen und Bourkesittichen. Andere Arten bräuchten diese Reserven in der Regel nicht.
Problematik
Wir Menschen - nicht alle - wissen was gut und was nicht gut für uns ist. Den Vögeln ist es egal wie sie aussehen und fressen munter weiter. Sollte ihnen mal ein Spiegelbild begegnen, so denken sie vielleicht, man, war ist das für ein lustiges Pummelchen?
Zum Bewegungs- und Beschäftigungsmangel kommt in der Regel noch eine Fehlernährung hinzu. Viele Halter halten leider Körnermischungen und Hirsen für ausreichend, begehen damit aber einen großen Fehler und unterliegen einem Irrglauben.
Sämereien in Hirsen oder ähnlichen Knabberstangen enthalten viel zu viel Fett und sollten nur in Maßen zu bestimmten Anlässen gereicht werden. Z.B. immer nur Sonntags oder als Belohnung.
Papageien die nur mit Körnern ernährt wurden, werden die Frischkost verschmähen, die ihnen plötzlich angeboten wird. Sie kennen diese Kost einfach nicht und misstrauen dieser. Womöglich dauert es Wochen oder mehr bis der Vogel den ersten Bissen wagt, hier ist ihre Geduld und Durchhaltevermögen gefragt.
Fettsucht ist kein Kavaliersdelikt! Übergewicht kann wie beim Menschen zu schweren Erkrankungen führen bis hin zum Tod.
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Nicht alle Arten werden "dick"
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Amazonen, Kakadus, Nymphensittiche, Mönchssittiche und Wellensittiche |
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Sie neigen zur Bildung von Fettpölsterchen und Fettdepots an Bauch, Oberschenkeln, Brust und im Kloakenbereich. |
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Graupapageien, Unzertrennliche und Langflügelpapageien |
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Sie haben eher selten Gewichtsprobleme, lagern aber Fett in den Herzkranzgefäßen ab und sterben früh an Arteriosklerose |
Wie erkenne ich Übergewicht?
Leider gibt es kein "optimales Gewicht", denn durch die Domestikation und Zuchtmutationen ist die durchschnittliche Körpergröße bei den Papageien angestiegen und kann daher von den Nominatformen abweichen.
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Wenn sie z.B. das Gefieder befeuchten und zur Seite streichen, dann erkennen sie anstatt des dunklen Muskelfleisches hellgelbes Fettgewebe.
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Das Atmen scheint den Tieren Schwierigkeiten zu bereiten
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Die Toleranzgrenze für hohe Temperaturen sinkt
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Übergewichtige Vögel atmen eventuell mit geöffnetem Schnabel und lassen die Flügel herunterhängen
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Auch nach kurzen Anstrengungen kommt es zu einer "japsenden" Atmung und der Vogel braucht Erholung
Was habe ich zu tun, wenn ich Übergewicht erkenne?
Auf keinen Fall den Vogel auf eine sofortige Diät setzen. Die eingeleiteten Maßnahmen können dem bereits geschädigten Organismus noch mehr Schaden zufügen. Eine Radikalkur ist nicht der Weg und führt zu mehr Stress!
Suchen Sie umgehen den Tierarzt auf und veranlassen Sie einen "Check-Up". Dieser wird ihnen einen Ernährungsplan aufstellen und mitteilen, wie die weiteren Tagesabläufe auszusehen haben. Falls nicht, würde ich einen anderen Tierarzt aufsuchen.
Problem erkannt, Gefahr aber noch nicht gebannt
Da Papageien konservativ sind, werden sie ihre Maßnahmen nicht verstehen und vielleicht bockig sein. Der nun bestrittene Weg zur besseren Gesundheit ist langwierig. Am besten fängt man an, den Bewegungsradius zu vergrößern. Gönnen sie ihm einen größeren Käfig, am besten eignen sich Volieren, wo auch einige Flügelbewegungen erforderlich sind, um an die andere Seite zu gelangen.
Richten sie den Käfig so ein, dass der Vogel von Ast zu Ast springen kann oder längere Distanzen klettern muss. Futter- und Wassernäpfe getrennt aufbauen.
Wählen Sie Spielzeug aus, dass zum beschäftigen einlädt, aber Vorsicht bei der Wahl. Bereitet dem Vogel ein Spielzeug angst, so kann er zum Rupfer werden, weil sich immerzu ein Gegenstand in seinem Bereich befindet, der ihm angst macht.
Reichen sie öfters frische Äste zum benagen, vor allem dann, wenn der Vogel eine längere Zeit im Käfig verbringen muss.
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Tipp: Teilen Sie nie Ihre Nahrungsmittel mit ihrem Heimtier. Auch wenn es noch so schwer fällt, aber dem Tier bekommen unsere Nahrungsmittel nicht. Zucker und Gewürze wirken sich negativ auf den empfindlichen Organismus aus. |
Besitzt der Vogel einen Freisitz, so stellen Sie diesen je nach seiner vorhandenen Kondition auf. Der Abstand kann von mal zu mal verringert werden. Etwa einen halben Meter pro Tag, machen Sie aber ruhig mal ein paar Tage pause, um den Vogel nicht zu strapazieren. Ist es Ihr Vogel gewöhnt zum Freisitz getragen zu werden? Warum? Locken Sie ihn lieber dorthin, vielleicht mal mit einem Leckerlie, fettreduziert versteht sich!
Übung machen den Meister
Für die Sitzgelegenheiten eignen sich Gegenstände die gleichzeitig den Gleichgewichtssinn beanspruchen, wie zum Beispiel Ringe und Seile.
Falls Sie wie ein Pirat den Vogel gerne durch die Wohnung tragen so sollten Sie diese Angewohnheit lieber sein lassen. Dies hat zur Folge, dass der Vogel sich lieber tragen lässt, als zu Fliegen oder zu Klettern, wenn er den Käfig verlässt. Auch wenn er protestiert, gewöhnen Sie ihn daran.
Wenn Sie den Raum wechseln, dann rufen sie ihm zu, damit er auch notfalls zu Fuß den Raum wechselt.
Lassen Sie sich ruhig einige Bewegungsspiele einfallen, z.B. lieben es einige Arten sich an ein Handtuch zu hängen und sich von Ihnen hin und her schaukeln zu lassen. Ihre Fantasie und Einsatz ist gefragt. Es können regelrechte Sportprogramme aufgestellt werden.
Bewegung alleine reicht nicht aus
Viele Papageien sind Körner-Abhängig und weigern sich, Grünfutter und Obst anzunehmen. Ich kann nur sagen: Geduld, geduld und geduld... einfach immer wieder anbieten, irgendwann wird er sich schon rantrauen! Oftmals wird empfohlen, das normale Körnerfutter nach und nach zu reduzieren und dieses nach sechs bis acht Wochen durch extrudiertes Futter (Pellets), Gemüse und Obst zu ersetzen.
Allerdings kann die Konsequenz sein, dass ihr Tier durch diese dramatische Umstellung, Nahrung verweigert, hungert, aggressiv und apathisch wird.
Wenn Ihr Tierarzt ein Ernährungkonzept aufgestellt hat, so beherzigen Sie dies auch, gerade wenn der Papagei bereits Schänden von der Fettleibigkeit davon getragen hatte.
Überdenken Sie auch die Fütterungsgewohnheiten. Füllen Sie den Napf einmal am Tag, womöglich randvoll?
Wie wäre es mit einem Frühstück, danach den Napf leeren und sich dann ausgiebig mit Vogel beschäftigen, um ihn vom Fressen abzulenken. Es sollten dann aber auch zwei bis drei weitere Mahlzeiten am Tag gereicht werden.
Verändern Sie die Zusammensetzung vom Futter, falls Ihr Veterinär nicht etwas anderes verordnet hat. Wenden Sie sich an einen Futterhändler und lassen sich eine fettarme Futtermischung zusammenstellen, ohne Sonnenblumenkerne, Erdnüsse und Kardisaat.
Wen die erste Hürde genommen ist
Von nun an können Sie langsam vom normalen Körnerfutter zum gesunden Fressen mit viel Obst und Gemüse wechseln. Kontrollieren Sie aber täglich, ob Ihr Papagei genug frisst.
Dabei sollte auch der Kot kontrolliert werden. Legen Sie eine Tageszeitung auf den Käfigboden und überprüfen Sie die Beschaffenheit der Kothäufchen.
Sollte sich diese Kot-Beschaffenheit ändern, suchen Sie am besten den Tierarzt auf.
Psychologie ist alles
Papageien ahmen unsere Vorlieben für Nahrungsmittel nach. Wenn wir voller Genuss in Pizza, Chips und Pommes beißen, so wird er diese auch lieben. Geben Sie ihm wiederum Gemüse mit einem säuerlichen Gesicht, so wird er sich dafür bestimmt nicht begeistern.
Essen sie mit voller Genuss, besser Sie lassen sich füttern, di betreffenden Nahrungsmittel. Irgendwann siegt die Neugierde und Ihr Papagei wird sich darum reißen, einmal etwas ab zu bekommen.
Bei der Ernährung können Sie ruhig erfinderisch sein. Karotten müssen nicht immer nur am Stück gereicht werden. Man kann sie in Scheiben schneiden, raspeln, kochen, als Brei servieren oder gar als Saft reichen. Haben Sie schon einmal eine Karotte kopfüber am Käfigdach befestigt?
Geraspelte Möhren
Zum Beginn eignen sich folgende Sorten:
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Äpfel
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Weintrauben
später dann:
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Karotten
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Brokkoli
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Süßkartoffeln
Sie sollten auch auf die Portionen achten. Für kleinere Arten ist eine Weintraube wie für uns Menschen eine Wassermelone. Würden Sie fünf Melonen essen?
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Arten |
Mögliche Folgen |
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Alle Papageien |
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Leberverfettung, Stoffwechselstörungen, Pigmentveränderungen der Federn, Bewegungsstörungen (Gelenke) durch Übergewicht, ZNS-Störungen, Herzerkrankungen, Erkrankungen des Pankreas und Tod |
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Männliche Arten |
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Unfruchtbarkeit |
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Weibliche Arten |
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Unfruchtbarkeit und vermehrtes Auftreten von Legenot |
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Wellensittiche |
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Stark anfällig für Fettleibigkeit und entwickeln häufig Lipome (Fettgeschwulste) |
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Rosakakadus, Kleine Gelbhaubenkakadus, Edelpapageien, Amazonen und Loris |
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Stark anfällig für Übergewicht und den daraus folgenden Störungen und Erkrankungen |
Quelle
- WP-Magazin Mai/ Juni 2004
- Bilder von Andrea Steiner
Aktualisiert (Freitag, den 12. Juni 2009 um 09:32 Uhr)










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